Theaterbesuch in Würzburg: „Terror“ von Ferdinand von Schirach

„Terror“ ist ein beinahe erschreckend aktuelles Gedankenexperiment: Ist es moralisch und rechtlich integer, in einer akuten Bedrohungssituation 164 Menschen zu töten, um 70 000 zu retten?

Diese Frage steht im Zentrum des Theaterstücks: Durfte der Kampfpilot Lars Koch eine Lufthansa-Maschine abschießen, um zu verhindern, dass ein Terrorist das Flugzeug in die vollbesetzte Allianz Arena stürzen lässt? Weil es keinen Befehl gab und er sich eigenmächtig über geltendes Recht hinwegsetzte, muss sich der 31-Jährige jetzt verantworten. Für den Familienvater ist klar, dass er als Soldat im Kampf gegen den Terrorismus nicht anders handeln konnte.

Das Publikum im Ratssaal der Stadt Würzburg entscheidet über den Ausgang des Gerichtsverfahrens: Ist Lars Koch ein Held oder ein Mörder? Wie ist seine Tat rechtlich und/oder moralisch zu bewerten? Stellen in einer Notsituation Prinzipien oberste Priorität dar oder ist doch eher ein lebensrettender Pragmatismus vorzuziehen? Mit all diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer unserer Abschlussklassen. Denn im Gerichtsverfahren sind die Zuschauer zur Entscheidungsfindung angesprochen: Als Schöffen stehen unsere Schülerinnen und Schüler in der Verantwortung und entscheiden als letzte richterliche Instanz, ob Lars Koch zu verurteilen oder freizusprechen ist.

Dem Mainfrankentheater Würzburg gelingt mit „Terror“, das gerade das Stück der Stunde auf deutschen Bühnen ist, eine gelungene und kurzweilige Inszenierung. Sie ist mit Miriam Morgenstern als Nebenklägerin sogar bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt. Der Ort, nämlich der Ratssaal der Stadt Würzburg mit seinen im Halbkreis angeordneten schweren Tischen und Stühlen und seinen Wandgemälden trug zur besonderen Atmosphäre bei, die die Bedeutung des Themas unterstrich.

Terroristische Angriffe sind nämlich nicht nur Angriffe auf Menschenleben, sondern auch bildgewaltige Attacken auf unsere Freiheit, auf unsere mitmenschlichen Haltungen und auf unsere Toleranz. Das Theater führt hier kunstvoll vor Augen: Die Lösung liegt nicht in schrillen Forderungen, sondern in der sachlichen, miteinander geführten und wertebasierten Diskussion. Deren Ergebnis war übrigens bei unserer Vorstellung: Nicht schuldig!