Verbraucherbildung für Flüchtlinge

Ein erfolgreicher Übergang in eine Berufsausbildung und  in das Berufsleben setzt neben sprachlichen, fachlichen und sozialen Kompetenzen auch eine gelingende gesellschaftliche Integration voraus. Besonders die unterschiedlichen Rechts- und Wirtschaftssysteme der Herkunftsländer und zum Teil unübliche Konsumeigenschaften machen es den jungen Flüchtlingen schwer, sich im deutschen Konsumalltag zurechtzufinden. Denn durch Kaufverträge, Mobilfunkverträge, Bankgeschäfte und Mietangelegenheiten werden sie schnell zu Verbrauchern.

Hier versucht das Projekt „Verbraucherbildung für Flüchtlinge“, das im Landratsamt Bad Neustadt stattfand, mit gezielten Informationen Orientierung zu bieten. Susanne Latta von der Asylberatung des Landkreises Rhön-Grabfeld und der ehrenamtliche Helfer Achim Gottwald informierten, wie sich die deutschen Konventionen gestalten. Es wurde zum Beispiel klar, dass sich in wärmeren Ländern das Leben aufgrund der Mittagsruhe nach hinten verschiebt und es in den Herkunftsstaaten nicht unüblich ist, dass Kinder bis in die späten Abendstunden auf der Straße spielen dürfen. In Deutschland sollten sie jedoch bereits um 20 Uhr zuhause sein, da sich bei uns das Leben hauptsächlich im Haus abspielt. Des Weiteren sind die Stromkosten in den Herkunftsländern derart niedrig, dass nicht darauf geachtet werden muss, aus finanziellen Gründen Strom zu sparen. In Deutschland erwartet den Zugewanderten bei einem gleichen Konsumverhalten eine hohe Rechnung. 

Das von Bildungsskoordinatorin Jurgita Groß organisierte Projekt hat gezeigt: Die Motivation zur Bildung und Entwicklung kann bei den Jugendlichen nur geweckt werden, wenn sie sich in Deutschland verlässlich orientieren können. Neben der Sprachförderung und der Förderung beruflicher Kompetenzen muss auch der Weg durch unseren „Dschungel“ an Bürokratie und Konventionen geebnet werden, damit Integration gelingen kann.

Marcel Proksch