Wir müssen nur wollen

Wirtschaftsschüler der Klasse 7a waren in einem Projekttag aktiv für die Rhön

„Es genügt nicht, die Welt zu verändern. Das tun wir ohnehin. Und weitgehend geschieht das sogar ohne unser Zutun. Wir haben diese Veränderung auch zu interpretieren. Und zwar, um diese zu verändern.“
Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen

An manchen schattigen Plätzen ist Leben im Sommer in seiner Essenz eigentlich ganz leicht und angenehm egal: In der Hitze bekommen Deutschaufsätze und Englischvokabeln ernstzunehmende Konkurrenz, denn die Unbeschwertheit dieser Jahreszeit erlaubt es, das Leben zu genießen ohne nützlich oder verwertbar zu sein.
Auch Erwachsene arbeiten lange auf ihr „hitzefrei“ hin und geben Unsummen aus, um in die Berge zu fahren oder um ein Selfie im Sonnenuntergang auf einer fernen Insel machen zu können. Wer unbeschwert leben will, darf sich aber keine ernsthafteren Gedanken um diese Idylle machen.

Moralisches Verhältnis zur Zukunft
Die Natur gibt sich dabei alle Mühe, trotz unserer hungrigen Effizienzkultur so unschuldig, normal und glaubhaft wie immer auszusehen. Umweltbildung ist wichtig, aber ökologische Themen sind abstrakt, komplex und schwer greifbar.
Schon seit vielen Jahren arbeitet die Wirtschaftsschule deswegen mit dem Biosphärenreservat Rhön zusammen und hat die Zusammenarbeit in den letzten Jahren sogar noch intensiviert. Denn weite Teile der Wirtschaft und Gesellschaft haben trotz allen Wissens und aller Erkenntnisse kein moralisches Verhältnis zur zukünftigen Welt, sondern meistens ein rein Pragmatisches.
Ein Projekttag ist eine Chance, Schülerinnen und Schüler ohne Zwang auf Gedanken zu bringen, auf die sie von selbst nicht gekommen wären.

Projekttag an der Brend
Zum Ende des letzten Schuljahres war es in den letzten Wochen möglich, mit der diesjährigen Klasse 7a ein solches Projekt durchzuführen: Das wuchernde Springkraut sollte entlang der Brend von den Schülerinnen und Schülern entfernt werden, sodass andere heimische Pflanzenarten Platz haben, sich ausbreiten zu können. Daneben wurde noch die Wasserqualität analysiert, was den Schülerinnen und Schülern Spaß gemacht hat.

Am Morgen ging es los: Michael Dohrmann vom Biosphärenreservat Rhön kam mit einem grünen Sprinter angefahren, der Platz für zahlreiche Big Packs, Ablagetischen und Utensilien zur Bestimmung der Wasserqualität bot. Mit kniehohen Hosen und Aquaschuhen im Rucksack sind ihm die Schüler in die nahegelegenen Brendanlagen gefolgt.

Qualität unseres Wassers
Nach einer kurzen inhaltlichen Einführung, in der Michael Dohrmann darauf eingegangen ist, dass Biosphärenreservat wörtlich übersetzt bedeute, dass man das Leben schützen wolle, ist er auf den Wasserkreislauf eingegangen. Wer kniehoch in der Brend stehen wird, der merkt, dass Wasser im Fluss ist und wir auf diesen Kreislauf angewiesen sind.
Um die Wasserqualität zu bestimmen, sollten die Schülerinnen und Schüler mit einem Sieb kleinste, im Wasser lebende Bachtiere finden. Da diese unterschiedliche Lebensräume bevorzugen, kann ihre Anzahl und Vielfalt Hinweise auf die Qualität des Gewässers geben.
Die Schüler fanden vor allem Roll-Egel, die den Schluss zulassen, dass die Wasserqualität unserer Brend nur mäßig und das Wasser nicht zum Trinken oder Schwimmen geeignet ist. Viele waren auch überrascht, wie viel Müll im Fluss entsorgt ist.

Bedrohung für heimische Pflanzen
Als zweiten Themenkomplex ging Michael auf das auf allen Flächen wuchernde Springkraut ein. Es ist aus Japan importiert und kann sich explosionsartig mit 3.000 Samen in einem Umkreis von sieben Metern verbreiten. Das macht die Pflanzen so konkurrenzstark, dass sie unsere heimischen Pflanzen verdrängen. Deswegen ist es frühzeitig notwendig, einen Blick für das Problem zu bekommen und zu reagieren: Die Schülerinnen und Schüler hatten die Aufgabe, die um die Brend auftretenden Vorkommen zu entfernen und das Pflanzenmaterial in Big Packs zu verfrachten, damit es entsorgt werden kann. Das erfordert Muskelkraft und ist anderes Arbeiten als unsere Kultur des gesenkten Blicks auf Tablets und Blättern im Unterricht.

Wer in der Natur ist und sich mit ihr beschäftigt, erkennt im Umgang vielleicht seinen Horizont, seine eigenen Grenzen und die eigene Ordnung. Oder warum liegt im Fluss eigentlich ein Blumenkübel? Die Lust, Dinge zu erforschen, immer wieder neu und anders zu denken und dadurch die Welt zu verändern, das macht Bildung aus.
Wenn sie aus Überzeugt-Sein erwächst, ist Bildung keine Verpflichtung und schränkt nicht ein, sondern ermöglicht es, selbst zu wachsen. Auch die Welt wird andersherum immer mit dem antworten, was wir in sie hineinlegen: Wir müssen nur wollen.

Marcel Proksch

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