Die Wirtschaftsschule Bad Neustadt verabschiedete ihre Absolventinnen und Absolventen
Strahlende Gesichter statt Prüfungsstress: In der festlich geschmückten Stadthalle verabschiedete die Staatliche Wirtschaftsschule Bad Neustadt ihren Abschlussjahrgang 2025/26. Es war eine emotionale Feierstunde, die bewies, dass Schule weit mehr ist als eine trockene Wissensfabrik. Als Schulleiter Christian Dahl ans Mikrofon trat und den Jugendlichen eröffnete, dass sie mit sofortiger Wirkung vom Schülerdasein entbunden seien, entlud sich die Anspannung monatelanger Prüfungsvorbereitung in einem hörbaren Aufatmen.
In seiner Rede gab Dahl dem Jahrgang ein Motto mit auf den Weg: „Nehmt euer Leben sportlich!“ Dabei benannte er zwei gesellschaftliche Fehlentwicklungen: Zum einen bemängelte er mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft das fehlende Fairplay und eine zunehmende Unsportlichkeit bei Niederlagen, etwa wenn es um das Ausscheiden aus dem Turnier geht. Zum anderen richtete er den Blick auf die politische Weltbühne und verurteilte eine Kultur, in der selbst Präsidenten etablierte Spielregeln schlichtweg ignorieren. Umso eindringlicher appellierte er an die Jugendlichen, stets faire Verlierer zu sein und Haltung sowie Rückgrat zu beweisen. Gerade in Zeiten, in denen Hass und Hetze in den sozialen Medien zur politischen Beeinflussung genutzt würden, sei es wichtig, kritisch zu hinterfragen, wer von einer solchen Spaltung profitiere, und stets den eigenen Anstand zu bewahren.
Dass an einer Wirtschaftsschule gerne Metaphern aus der Finanzwelt bemüht werden, verwundert kaum. So zog auch der Zweite Bürgermeister Norbert Klein Bilanz: Auf der Passivseite stünden Schlafmangel und Prüfungsstress, auf der Aktivseite hingegen Werte wie Wissen, Respekt und tiefe Freundschaften. Er erinnerte die jungen Menschen zudem daran, dass sich Lebenswege selten wie Businesspläne durchkalkulieren ließen. Landrätin Sonja Rahm beschrieb die vergangenen Jahre als „Schicksalsgemeinschaft“, aus der die Absolventen nun mit Herzenswärme und Lebensklugheit in die Welt hinauszögen.
Wie sehr die Jugendlichen diese Haltung verinnerlicht hatten, zeigten die Reden der Schülersprecherinnen. Letizia Vey verglich die vergangenen Schuljahre mit einer wertvollen Investition; schließlich sei Zeit die kostbarste Währung überhaupt. Sie berichtete von Rekordgewinnen durch gute Noten, verschwieg aber auch jene Momente nicht, in denen „das Motivationskonto kurz vor der Insolvenz stand“. Angelina Solla blickte auf die emotionale Substanz der Schulzeit zurück: Man erinnere sich künftig nicht an ausgefüllte Arbeitsblätter, sondern an die Menschen, das gemeinsame Lachen und an Lehrkräfte, die weit mehr waren als Wissensvermittler.
Die anschließenden Auszeichnungen bewiesen, dass Leistung und Engagement Hand in Hand gehen. Letizia Vey erhielt für ihren Notenschnitt von 1,25 den Staatspreis; zudem wurden Franco Schad, Annelie Bach, Linus Hofmann und Devin Leer geehrt. Den von Schulleiter Dahl geforderten Sportsgeist bewiesen Maya Theen und Konstantin Ruppert, denn sie wurden für sportliche Spitzenleistungen, gepaart mit Fairness und Teamgeist, ausgezeichnet. Großen Respekt ernteten zudem Elias Zirkelbach und Antonella Kummer für ihren ehrenamtlichen Einsatz in der Jugendfeuerwehr.
Seinen wahren Herzschlag offenbarte der Abend schließlich bei der Zeugnisübergabe: Marion Teske gestand ihrer 10a, dass selbst Künstliche Intelligenz keine passende Rede verfassen konnte, denn ihre Klasse sei dafür schlicht zu einzigartig. Nora Schmidt erinnerte sich schmunzelnd an Lehrertische, die von ihrer 10b kurzerhand zu Tischtennisplatten umfunktioniert worden waren. Melanie Riedel gab der Z11c Worte von Mark Twain über die Neugier auf das Unbekannte mit auf den Weg, während Pamela Hahn auf die Klassengemeinschaft der Z11d zurückblickte, die trotz anfänglicher Zweifel zu einer Einheit zusammengewachsen war.
Marcel Proksch