Drei Tage Rhön, eine Klasse und die Frage, wie aus vielen Einzelnen eine Gemeinschaft wird. Die Umweltbildungsstätte Oberelsbach bot dafür genau den richtigen Rahmen.
Los ging es mit einer Waldrallye bei schönstem Herbstwetter, und zwar ohne Handy, ohne Kompass und ohne Navi. Die Gruppen mussten sich allein auf ihren Orientierungssinn und ihren Teamgeist verlassen und unterwegs knifflige Aufgaben lösen. Alle kamen wieder heraus, manche schneller, manche langsamer. Das Schlusslicht bildete übrigens eine Gruppe mit erstaunlich hohem Altersdurchschnitt. Namen tun hier nichts zur Sache.
Am nächsten Morgen ging es dann im Werte-Workshop darum, was uns als Klasse wirklich wichtig ist. Die Antworten waren durchdacht und manchmal überraschend. Jetzt kommt der anspruchsvollere Teil: Wir müssen sie im Schulalltag auch leben.
Bei „Mut und Team“ wurde am Nachmittag dann aus der Theorie Praxis. Die Aufgaben waren nur gemeinsam zu lösen, und dabei zeigte sich, dass Zusammenarbeit kein Selbstläufer ist. Zuhören ist schwerer als Reden, und eine Absprache hält nur, wenn sich alle daran halten. Diese Erkenntnis war nicht immer bequem, aber sie war wertvoll. Bei der Abschlussaufgabe hatte die Klasse den Dreh raus und meisterte sie gemeinsam.
Zwischen den Programmpunkten blieb reichlich Zeit für Fußball, Joggingrunden ums Haus und ehrgeizige Bauprojekte. Aus Holzklötzen entstanden Türme in schwindelerregender Höhe. Ihr spektakulärer Einsturz war mindestens genauso beliebt wie ihr Bau.
Abends verlagerte sich das Gemeinschaftsleben auf die Zimmer. Dort wurde geredet, gelacht und ein beachtlicher Süßigkeitenvorrat in Rekordzeit vernichtet. Mit der Nachtruhe nahm man es eher großzügig. Bis wirklich im letzten Zimmer Stille einkehrte und auch das letzte Klopfzeichen durch die Wand verstummt war, verging einige Zeit. Wir nennen es Teambuilding in der Verlängerung.
Am Ende stieg eine Klasse in den Bus, die sich deutlich besser kennt als bei der Hinfahrt. Und die Lehrkräfte? Die arbeiten noch an ihrer Orientierung im Wald.
Linda Spachmüller